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Samstag, 18. Oktober 2014

Freitagsgedanken vom 17. Oktober 2014 *** Inflations-Überlegungen




Freitagsgedanken vom 17. Oktober 2014

Von Dagmar Metzger, Christian Bayer und Steffen Schäfer

Zahlenspiele II

Seit Monaten schon hören wir immer wieder dieselbe Geschichte: Die Inflation in der Eurozone sei zu niedrig, wodurch sich große Gefahren für die Wirtschaft entwickeln würden. Manch aufgeweckter Bürger fragt sich dabei durchaus berechtigt, was denn daran so fatal sein soll, wenn die Ersparnisse der Bürger weniger schnell an Kaufkraft verlieren oder gar an selbiger gewönnen, aber das ist ein ganz eigenes Thema. 

Der ein oder andere mag – ebenfalls durchaus berechtigt – einwenden, dass es doch eigentlich, wenn schon dann Teuerung heißen müsste. Schließlich bezeichnet man korrekterweise mit Inflation eigentlich das Geldmengenwachstum, welches dann, in Verbindung mit der Umlaufgeschwindigkeit, für die Teuerung sorgt. Die Geldmenge (hier das Aggregat M3) übrigens wuchs seit der Euroeinführung um rund 100 Prozent.



Die allermeisten aber werden angesichts solcher Verkündigungen schlicht mit den Schultern zucken und für sich feststellen, dass trotzdem alles teurer wird. Die Lebensmittel, ebenso die Mieten (hier meint Vater Staat ja sogar mit der absurden „Mietpreisbremse“ Abhilfe schaffen zu müssen), Versicherungsprämien sowieso und auch die Energiekosten steigen jedes Jahr. 

Ein schneller Blick auf die Aktienkurse bestätigt zudem die Vermutung, dass gerade Vermögenswerte in den letzten beiden Jahren ganz gewaltige Preissteigerungen erlebten.
Für diesen eklatanten Widerspruch zwischen den offiziellen, vermeintlich objektiven Zahlen und dem Erleben der Bürger haben Statistiker den schönen Begriff der „gefühlten Inflation“ erfunden.

Angelehnt an den in der Meteorologie verwendeten Begriff der „gefühlten Temperatur“, soll hiermit zum Ausdruck gebracht werden, dass das subjektive Gefühl eben nur ein solches ist und die objektiven „wissenschaftlichen“ Methoden die Wahrheit ans Licht bringen. Nun ist dieses Konzept im Falle der Temperaturmessung durchaus richtig – schließlich lässt sich Temperatur, egal ob in Celsius, Kelvin oder Fahrenheit objektiv messen. Wind oder Feuchtigkeit tragen dann dazu bei, dass die Menschen diese Temperatur subjektiv anders empfinden.

Dieses Konzept allerdings auf die Inflation zu übertragen ist absurd – denn es gibt keinerlei objektiven Ansatz die Teuerung zu messen. Alle Methoden besagte Teuerung zu messen, sind höchst subjektiv und eröffnen der Manipulation breiten Spielraum. Als Beispiel sei der Warenkorb genannt. Die Idee hinter demselben ist eigentlich einleuchtend: Ein Warenkorb, über lange Zeit beobachtet, spiegelt die Teuerung der im Korb vertretenen Waren gut wider. Wenn die Zusammensetzung der einzelnen Güter sowie deren Gewichtung klug gewählt ist, lässt sich hiermit ein recht adäquates Bild der allgemeinen Teuerung gewinnen. 

Nun allerdings kommen die amtlichen Statistiker und erklären, dass sich das Konsumentenverhalten regelmäßig ändert. Auch würden Waren, die deutlich im Preis steigen, nicht mehr so oft nachgefragt werden. Entsprechend sollte der Warenkorb regelmäßig angepasst werden. Damit haben sie einerseits natürlich irgendwie recht, allerdings konterkariert die regelmäßige Anpassung des Warenkorbs, die ursprünglich Idee die Preisstei-gerungen einer bestimmten Warengruppe zu messen.

Ein weiteres Konstrukt dieser Art ist die hedonische Methode, hier werden die „Qualitätssteigerungen“ in die Berechnungen mit einbezogen und sorgen so für eine niedrigere Teuerung (auf der anderen Seite wird mittels der Hedonik auch das Wirtschaftswachstum befeuert). An sich auch eine schöne Idee, die aber nur dann funktionieren würde, wenn man neben den neuen nach wie vor auch die alten, „qualitativ“ unveränderten Produkte erwerben könnte – aber beispielsweise einen fabrikneuen VW Golf I zu finden, dürfte eine Herausforderung werden (zum damaligen Werkspreis erst recht).

Zur Verschleierung der tatsächlichen Inflation wurden weitere wundervolle Konzepte geschaffen: Die Kerninflationsrate beispielsweise ist ein solches. Sie kommt ohne die Beachtung der Preise für Energie und Lebensmittel aus. Der Grund hierfür, so die Wirtschaftsstatistiker, ist die Volatilität jener Güter. 

Da die Gründe für deren Preisschwankungen oft außerhalb der zu untersuchenden Volkswirtschaft liegen, lässt man sie eben gleich ganz unter den Tisch fallen. Ob eine Zahl, welche die elementaren Bedürfnisse komplett ignoriert, überhaupt noch eine Aussagekraft hat, interessiert niemanden, zumindest nicht die Mitarbeiter der Statistikämter. Ebenso bemerkenswert ist, dass die Preissteigerungen von Vermögenswerten überhaupt nicht in die Berechnung der Inflationsrate einfließen.

Nun muss man vielleicht nicht ganz soweit gehen wie einige Analysten aus den USA, die die Inflationsrate nach Methoden der 1970er und 1980er Jahre berechnen und hier auf Raten zwischen 7 und 10 Prozent (im Bezug auf die USA) kommen. Aber insgesamt dürfen wir davon ausgehen, dass die tatsächliche Teuerung viel näher an den gefühlten Inflationsraten liegt als an den vermeintlich „objektiv“ berechneten.

Nun stellt sich natürlich die Frage, warum diese wichtige wirtschaftliche Kennziffer nach unten manipuliert werden soll. Hierfür gibt einen simplen Grund: So wie der Staat Schulden liebt und daher die Deflation fürchtet, so sehr begehrt er die Inflation. 

Denn er ist (neben den Finanzkonzernen) der größte Schuldner weit und breit. Via Inflation kann er sich auf elegante, versteckte und vor allem für sich selbst relativ schmerzlose Art und Weise wieder entschulden.

Für die Bürger hingegen wirkt die Inflation wie eine Steuer – mit dem großen Vorteil für den Staat, dass der Bürger den Verursacher nicht gleich erkennen kann. Er merkt nur: Es bleibt ihm am Ende weniger im Geldbeutel. Darüber mag sich Unmut regen und in der Tat beklagen viele Bürger die ständig steigenden Preise, aber die wenigsten erkennen, dass es der Staat (und mit ihm die Zentralbanken) ist, der direkt für die steigenden Preise verantwortlich ist. 

Ironischerweise nehmen sogar viele Bürger dann Zuflucht beim Staat und fordern von ihm Schutz gegen die Teuerung – jüngstes Beispiel die bereits erwähnte „Mietpreisbremse“. Dass ausgerechnet jene staatlichen Interventionen in der Regel noch einmal zu einer stärkeren Teuerung im betreffenden Sektor führen, macht die Sache eventuell sogar noch einmal lustiger, aber gewiss nicht besser.

Auch spart der Staat natürlich kräftig – schließlich sind die meisten seiner großzügigen Sozialversprechen an die offizielle Inflationsentwicklung gekoppelt. Rechnet er diese niedrig, reduziert er über die Inflationssteuer nicht nur seine Schulden, sondern er spart auch noch bei den Ausgaben. Als netten Nebeneffekt kreiert er zudem eine steigende Nachfrage nach Sozialleistungen. Schließlich ächzen gerade die unteren Einkommen unter steigenden Preisen am meisten. So kann er sich wieder als Retter in der Not gerieren und die unbedingte Notwendigkeit seiner Existenz unter Beweis stellen.

Ein Ende der Inflationspolitik wird nur dann erreicht werden, wenn die Bürger dem Staat und den Zentralbanken die Hoheit über das Geldwesen entziehen und selbst darüber entscheiden, was ihnen als Tausch- und Zahlungsmittel dienen soll. Solange der Staat hierüber entscheidet, wird das Gefühl, welches die Bürger im Geldbeutel schmerzt, die Realität sehr viel treffender beschreiben als jede amtliche Statistik.




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