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Samstag, 6. Dezember 2014

Freitagsgedanken vom 5. Dezember 2014 *** Ein Risiko für Kleinsparer - Die Lebensversicherung



Freitagsgedanken, 5. Dezember 2014

Von Dagmar Metzger, Christoph Zeitler & Steffen Schäfer


Ein Risiko für Kleinsparer -
Die Lebensversicherung


Die von den Zentralbanken künstlich niedrig gehaltenen Zinsen fressen sich wie ein Krebsgeschwür durch die Gesellschaft. Sie vernichten nicht nur den gesellschaftlichen Wohlstand, sondern drohen, die gesellschaftlichen Stabilität insgesamt dauerhaft zu zerrütten, wenn nicht gar völlig zu zerstören. Jüngst hat Hans-Werner Sinn, Chef des Münchner ifo-Instituts, errechnet, dass die zu niedrigen Zinsen allein den deutschen Sparer jährlich rund 70 Milliarden Euro kosten.

Aber dies ist nur die Spitze des Eisbergs. Bereits letzte Woche schrieben wir an gleicher Stelle wie die finanzielle Repression die bürgerlichen Freiheiten erodiert. Immer mehr zeigt sich, dass sie alle Lebensbereiche erfasst und es für den Bürger immer schwieriger, um nicht zu sagen unmöglich wird, für seine finanzielle Sicherheit zu sorgen.


Die niedrigen Zinsen bringen, auch dies tritt immer deutlicher zutage, des Deutschen liebstes Kind, die Lebensversicherungen, gewaltig unter Druck. Die Allianz verkündete vergangenen Dienstag, dass sie erneut ihre Überschussbeteiligung senken wird.

Auch der Garantiezins fällt und fällt. Ab 2015 wird mit einem Zinssatz von 1,25% gerechnet – schon der derzeitige Garantiezins liegt mit 1,75% unter dem von der EZB angestrebten langfristigen Inflationsmittel. Wer also derzeit eine Lebensversicherung abschließt, wird auf lange Sicht genauso enteignet werden wie die Sparer.

Die Lebensversicherer selbst haben dabei kaum eine Chance, den niedrigen Zinsen zu entgehen – die „vollpolitisierte Ökonomie“ regelt das Anlageverhalten der Lebensversicherer fast vollständig (Stichwort ist hier Solvency II). Unternehmen wie Ergo oder Allianz können also gar nicht in einem größeren Maße in derzeit attraktivere und besser performende Anlageklassen wie beispielsweise Aktien wechseln. Sie sind per Gesetz weitestgehend an die vermeintlich sicheren Staatsanleihen gebunden und werden, wenn Solvency II in Kraft getreten ist, sogar noch stärker reguliert sein.

Damit aber kommen sie mehr und mehr in die Bredouille. Schließlich haben sie ihren Kunden gerade in den späten 1990er Jahren relative hohe Garantiezinsen versprochen, die sie theoretisch nun auch auszahlen bzw. erwirtschaften müssen, am Markt aber lassen sich solche Zinsen eben derzeit nicht mehr erwirtschaften, zumindest nicht wenn man sich an die gesetzlich vorgeschriebenen Risikoprofile hält.

Die europäische Branchenaufsichtsbehörde EIOPA kommt in ihrem Stresstest, den sie im Zuge der Vorbereitungen auf Solvency II durchführte, zu dem Schluss, dass – sollten die Zinsen auf dem künstlich niedrigen Niveau bleiben – in einigen Jahren zahlreiche Versicherer die Versprechen gegenüber ihren Kunden nicht erfüllen werden können. Sollte es dann auch noch zu größeren Rückgängen der Aktienmärkte kommen, wären nur mehr rund die Hälfte der Versicherungsgesellschaften ausreichend kapitalisiert, um die ihre Leistungsversprechen auch tatsächlich erfüllen zu können.

Die Zeche zahlen werden dann natürlich erst einmal die Kunden der Versicherungen. Denn es ist über § 89 des Versicherungsaufsichtsgesetzes (VAG) gesetzlich geregelt, wie sich Versicherungsunternehmen im Falle der Insolvenz verhalten müssen: Sie müssen zunächst einmal jegliche Zahlungen an die Versicherten einstellen.

Damit aber wird das Problem auch indirekt zu einem Problem der Steuerzahler. Denn es droht nicht nur ein Anschwellen der Altersarmut und damit eine weitere Belastung der Sozialkassen, sondern auch, und das ist viel gravierender, ein Durchschlagen auf den Immobiliensektor.

Denn neben den Lebensversicherungen hat der Deutsche ein weiteres Lieblingskind und das ist die Immobilie. Die niedrigen Zinsen verleiten dazu, nun doch noch den Traum vom Häuschen im Grünen oder der schönen Stadtwohnung zu verwirklichen.

Es ist absurd – denn die niedrigen Zinsen lassen den Traum in greifbare Nähe kommen und zeitgleich können sie ihn am Ende platzen lassen. Nicht wenige Bundesbürger nämlich haben die Finanzierung ihrer Immobilie an die Auszahlung der Lebensversicherung gekoppelt.

Wenn in 10 oder 15 Jahren die Restsumme des Kredits fällig wird, wird diese dann mit der ebenfalls zu dieser Zeit fällig gewordenen Lebensversicherung getilgt – Fristenkongruenz nennt sich dies im Versicherungsdeutsch. Ungünstig wird es, wenn die Summe der Lebensversicherung niedriger als geplant oder gar komplett ausfällt (wegen § 89 VAG siehe oben). Dann nämlich gehört plötzlich der Traum im Grünen bzw. die schicke Stadtwohnung wieder der Bank.

Am Ende kann es dann zu richtigen Kaskaden am Immobilienmarkt kommen – denn wenn plötzlich viele Immobilien auf den Markt kommen, geraten die Preise unter Druck, welches wiederum Einfluss auf andere Kredite hat. Beispielsweise auf jene, bei denen die Immobilie selbst als Sicherheit diente und nun – aufgrund des Wertverlustes – nicht mehr als Sicherheit ausreicht.

Insofern zeichnet der von EIOPA durchgeführte Stresstest ein beunruhigendes Menetekel und es verwundert nicht, dass die Ergebnisse der Einzelunternehmen nicht veröffentlicht wurden. Denn es ist klar, dass die Zinsen in der Eurozone noch sehr lange sehr niedrig bleiben werden – andernfalls gäbe es Staatsbankrott um Staatsbankrott. Damit ist aber auch klar: Die Folgen der Zinsmanipulation durch die EZB werden uns noch viel länger verfolgen, als die meisten Sparer, Anleger, Politiker
und Marktregulierer auch nur ansatzweise ahnen...



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